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Au-Pair in England

Meine Zeit als Au-pair in England.

Erfahrungsbericht über einen Au-Pair-Aufenthalt in England und
von Rebekka Zimmermann.

Als ich letztes Jahr im Juli endlich mein Abitur in der Tasche hatte, stellte sich für mich natürlich die Frage, wie geht es jetzt weiter? Für mich war klar, dass ich nicht sofort weiter studieren wollte, ich brauchte etwas Luft und Abstand zur Schule. Also entschied ich mich für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Zuerst wollte ich beim europäischen Freiwilligendienst mitmachen, da das aber leider nicht so klappte wie ich es wollte, entschied ich mich für ein Jahr als Aupair im Ausland. Mein Ziel sollte England sein, da das eins meiner Lieblingsländer ist und ich die englische Sprache einfach liebe. Zufällig entstand über eine Freundin von mir privat der Kontakt zu einer Familie, die in England ganz in der Nähe von London lebten. Ich war erst etwas skeptisch, ob ich all das auch ohne Organisation wagen sollte. Entschied mich dann aber dafür, die Familie wirkte sehr sympathisch, was sich später auch als absolut richtig erwies. Im Herbst 2005 flog ich dann also voll froher Erwartungen und voller Aufregung nach London, wo mich Marc – der Vater der Familie- abholte.

Die Familie bestand aus zwei kleinen süßen Mädchen von 5 und 7 Jahren und ihren Eltern. Ich wurde sehr herzlich bei ihnen aufgenommen. Sie zeigten mir einiges von der Gegend und wir unternahmen viel miteinander. Das erste Wort was ich neu dazu lernte war „pumpkin“, es war ja gerade Halloween. Natürlich ist ein Aufenthalt im Ausland als Aupair nicht nur Vergnügen. Zu meinen Aufgaben gehörte es, die Mädchen zu beaufsichtigen wenn sie aus der Schule kamen und ihnen etwas zu essen zu machen. Die Eltern arbeiteten beide in großen Firmen in Führungspositionen und so kamen sie meist sehr spät nach Hause. Außerdem musste ich noch Putzen, Waschen, Bügeln und Aufräumen aber das war von vorneherein so abgemacht. Die erste Zeit war für mich etwas schwer, weil man überhaupt nicht damit rechnet, dass einem das Zuhause, die Familie und die Freunde so fehlen würden. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Ich habe mich auch sehr schnell an das Englisch-Sprechen gewöhnt. Anfangs war das etwas schwierig weil das Englisch was man in der Schule lernt einfach ein völlig anderes ist. Im alltäglichen Leben fehlten mir anfangs viele Wörter, das war zuerst wirklich nicht sehr einfach.

Aber nach und nach ging auch das immer besser. Ich fühlte mich dort wirklich wohl und auch das typisch-englische Wetter blieb aus, meistens zumindest, die meiste Zeit hatten wir sehr schönes Wetter. Aber im November hat es dann schon auch heftige Gewitter und viel Regen gegeben. Trotzdem war es eine sehr schöne Zeit. Gewohnt haben wir in einem winzig kleinen Ort, der eigentlich den Namen Ort schon gar nicht mehr verdient. Dieser Ort hieß Church Crookham und liegt etwas südwestlich von London. Dieses dörfliche Leben hat mir anfangs auch schwer zu schaffen gemacht, war ich es doch gewöhnt, immer Leben um mich zu haben. Aber all das sind Dinge an die man sich schnell gewöhnt. Ich habe dort im Nachbarort – Farnham – eine Sprachschule besucht und lernte dort dann auch viele nette und vor allem, junge Leute kennen. Wir hatten viel Spaß zusammen und so bin ich auch immer besser geworden im Umgang mit der englischen Sprache. Natürlich war ich auch einige Male in London. Einmal auch zusammen mit den Leuten aus meinem Sprachkurs, wir haben uns zusammen das Natural History Museum und das national museum of science and industry angesehen. Besonders das zweite hat mich wahnsinnig beeindruckt. Normalerweise sind Museen nämlich nicht so mein Fall, aber in diesem gab es sehr viele Dinge, die man selbst probieren und entdecken konnte, das hat mir sehr gut gefallen. 

Viel mit Fotographie und Film gab es dort auch. Dieser Tag war sehr aufregend und spannend und hat mir sehr gut gefallen. So gingen die Wochen ins Land, wir machten Ausflüge zusammen und unter der Woche kümmerte ich mich um die Mädels und um den Haushalt. Irgendwann entschied ich mich dort in den „Rock choir“ zu gehen. Das ist ein Chor für Jugendliche gewesen, die lauter Pop-songs gesungen haben. Ich wollte neue und vor allem junge Leute kennenlernen und so hatte ich einfach die Chance dazu, denn singen mochte ich schon immer und durch so ein gemeinsames Hobby kommt man eben schnell ins Gespräch. Irgendwann kurz vor Weihnachten sind meine Gastfamilie und ich dann an die Küste nach Brighton gefahren. Diesen Ort kannte ich schon weil ich mit 14 Jahren eine Sprachreise gemacht habe, die in Eastbourne stattfand und wir uns von dort aus auch Brighton angeschaut hatten. Ein sehr schöner Küstenort. Dort besuchten wir dann die Großeltern meiner Gastfamilie. Ich bin an diesem Tag am Strand entlang spaziert und habe mir alles noch einmal ganz genau angeschaut, das Pier, die Einkaufsstraße und, und, und.
Das war ca. zwei Wochen bevor ich für 14 Tage – über Weihnachten – nach Deutschland zurück gehen würde, sozusagen Urlaub von meiner Arbeit. Doch an einem Abend in der folgenden Woche, klopfte es auf einmal an meiner Zimmertür. Die Mutter meiner Gastfamilie meinte, sie wollten mich sprechen und ich solle bitte ins Wohnzimmer kommen. Ich ahnte schon, dass irgendetwas kommen würde, was ich absolut nicht erwarten würde. Als ich im Wohnzimmer saß, sagten mir meine „Gasteltern“, ich solle doch bitte nach Weihnachten nicht wieder kommen. Ich war zuerst völlig perplex und vor den Kopf gestoßen. Sie erklärten und versicherten mir, es läge absolut nicht an mir. Es wäre nur so, dass sie glauben ein Aupair wäre nicht die richtige Lösung für sie. Meine „Gastmutter“ meinte, sie hätte ein wahnsinnig schlechtes Gewissesn ihren Kindern gegenüber weil sie sie so oft alleine ließe. Und deshalb müsse sie versuchen nur noch halbtags zu arbeiten oder eine andere Lösung finden. Ja, es stimmt schon, wenn sie zu Hause war, waren die beiden Mädchen wirklich besonders zickig und benahmen sich teilweise unmöglich. Aber meiner Meinung nach, lag das nur daran, dass die beiden wahnsinnig verwöhnt waren und die Mutter sie ungleich behandelte, sie hatte eben ihr Lieblingskind und deshalb hat die zweite versucht ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, egal wie. Bei mir lief das immer wunderbar wenn ich mit den Mädchen alleine war, aber ich habe ihnen auch ganz klar gesagt, was ich möchte und was nicht. Später meinten meine Eltern dann zu mir, sie glaubten, dass meine „Gastmutter“ einfach nur eifersüchtig gewesen sei, weil sie gesehen hat, wie gut ich mit den beiden zurecht kam. Naja, alles in allem, war diese Zeit trotzdem sehr schön, ich habe gelernt allein zurecht zu kommen, in einem fremden Land und mit einer fremden        Sprache.

Natürlich hing ich dann erst mal in der Luft. Meine ganze Planung war total durcheinander gekommen. Ich wusste nicht was ich das nächste halbe Jahr machen sollte. 
In Stuttgart suchte ich mir dann erstmal einen Job um ein bisschen Geld fürs Studium zu verdienen. Und dann bekam ich das Angebot meines Lebens. Freunde von mir, bei denen ich früher viele Jahre babygesittet hatte, die allerdings nach Tokio ziehen mussten weil der Vater von der Arbeit aus dorthin versetzt wurde, luden mich ein sie in Tokio zu besuchen. Zuerst war ich etwas skeptisch, da ich ja gerade erst aus England mit etwas gemischten Erfahrungen zurückgekommen war. Aber schließlich gab ich mir einen Ruck und wagte es, das Abenteuer meines Lebens. Und das war es dann schließlich auch, 5 Wochen Tokio. Tokio ist so eine wahnsinnig aufregende Stadt. Voller Leben, bunt und abwechslungsreich, dass ich es keine Sekunde bereue diese Reise gemacht zu haben. Dort habe ich dann auch ein Praktikum an der deutschen Schule Tokio gemacht, was mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Die Menschen dort sind so völlig anders als hier und auch die Ernährung und die Religion. Überall wimmelt es nur so von Menschen und so wie hier auf diesem Photo die Hochhäuser voll mit bunter Werbung sind, sieht es überall aus. All das war so völlig neu für mich und ich war so fasziniert davon, dass ich unbedingt einmal wieder in dieses Land reisen möchte. Was habe ich aus diesem Jahr gelernt? Nun ja, es kommt eben nicht alles so wie man es plant aber trotzdem eröffnet sich einem immer wieder eine neue Chance.

Ich bereue es überhaupt nicht für einige Zeit als Aupair im Ausland gewesen zu sein. Im Gegenteil, es war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich. Das einzige was ich jedem, der als Aupair ins Ausland gehen möchte, raten würde ist, dass man so etwas auf jeden Fall mit einer Organisation machen sollte, denn dann hat man auch die Möglichkeit die Familie zu wechseln falls es Probleme gibt.

Quelle: Rebekka Zimmermann

Die Fotos sind uns von der Verfasserin zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt worden.

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