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Workcamp in Kenia

In Kenia sind die Orangen grün ...

Erfahrungsbericht über ein Workcamp in Eldoret / Kenia vom 6.9. - 4.10. 2003 von Miriam Mose

Schon als kleines Kind hatte ich einen ganz großen Traum. Ich wollte unbedingt einmal nach Afrika. Für mich ist dieser Kontinent und seine Menschen einfach nur faszinierend.
Im Frühjahr dieses Jahres habe ich versucht, diesem Traum etwas näher zu kommen. Ich habe zusammen mit einer Freundin im Netz zum Thema "Afrika - Reisen" recherchiert und wir sind schon nach einigen Minuten fündig geworden. Am besten gefiel uns die Homepage der Kolping - Jugendgemeinschaftsreisen, welche u.a. Workcamps für junge Erwachsenen zwischen 18 und 26 Jahren anbietet. Nachdem wir zwei Tage lang hin- und her überlegt und unser Budget geprüft hatten, fassten wir den Mut, uns für ein vierwöchiges Workcamp in Eldoret (Kenia) anzumelden. Oh man, war das alles aufregend... Aus dem Internet erhielten wir schon einige Infos über Einreisebestimmungen, notwendige Impfungen und Krankheitsrisiken in Kenia.

Zur Vorbereitung auf unser Camp wurde von Kolping außerdem ein Wochenendseminar in Köln für alle Teilnehmer_innen der verschiedenen Workcamps in vielen Teilen der Welt organisiert, wo wir unsere Workcampgruppe und natürlich auch unsere Campleiterin kennen lernten und wo wir viel über Kenia, aber auch über unsere Arbeit im Camp erfuhren.
An diesem Wochenende konnten wir feststellen, dass unsere zehnköpfige Workcampgruppe, bestehend aus neun weiblichen und einem männlichen Wesen, ein sehr harmonischer und nicht zuletzt auch sehr witziger Haufen ist. Außerdem hörten wir Referate zu Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen, Religion(en) und Kultur Kenias und sahen einen Videofilm zur Organisation Kolping und deren Entstehung und Handlungsfeld.

Des Weiteren unterhielten wir uns über unsere Arbeit im Camp und darüber, dass wir die letzte Wochen zur freien Verfügung hatten. Was werden wir da wohl machen??
Bevor wir uns wieder auf den Heimweg machten, gingen wir noch eine, wie ich finde, sehr hilfreiche Packliste durch. Wir konnten es kaum noch erwarten, bis es endlich los ging...

Die Zeit bis zum Abflugtermin verbrachten wir u.a. damit, einen Reisepass und ein Visum zu beantragen, uns gegen Gelbfieber, Hepatitis und Typhus impfen zu lassen, die Malariaprophylaxe und andere notwendige Medikamente zu kaufen, Traveler Checks einzutauschen, ein Moskitonetz und diverse Dinge für die Ausrüstung zu besorgen und schlussendlich unsere großen Reiserucksäcke zu packen. Und am Samstag, den 6. September war es dann endlich soweit!!

Nach sieben Stunden in der Luft betraten wir dann am Sonntag morgen um 5.20 Uhr (Ortszeit) auf dem Flughafen Nairobis, Kenias Hauptstadt, zum ersten Mal afrikanischen Boden und wurden dort gleich ganz herzlich von Sister Mary Collette, der Leiterin der Schule, an der wir die ersten drei Wochen arbeiten sollten, und dem schuleigenen Busfahrer Daniel empfangen. Nachdem wir unser Gepäck auf dem Dach des Busses verstaut hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserem neuen Zuhause, einer Schule, die sich in der Nähe der Stadt Eldoret, im Nordwesten Kenias, befindet. Schlagloch an Schlagloch hoppelten wir durch das afrikanische Land, welches sich uns sehr, sehr schön auftat. Außerdem erhielten wir während dieser Fahrt schon erste Einblicke in die Tierwelt Afrikas und in die Lebensweise und Wohnsituation einiger Kenianer_innen. Ganz oft sahen wir sie am Straßenrand sitzen oder liegen und manchmal kamen Frauen an unseren Bus, die uns Bananen oder Gemüse verkaufen wollten.

An der Schule angekommen, zeigten uns die anderen Schwestern des Konvents unsere neue Bleibe: ein leerstehendes Lehrer_innenhaus bestehend aus zwei Zimmern mit jeweils fünf Betten, einem Stehklo, einem Raum mit Dusche (leider hat sich herausgestellt, dass diese Dusche nicht funktioniert und so mussten wir während der drei Wochen aus Eimern duschen) und einem Raum, welcher uns zugleich als Küche und Bad diente. Anschließend luden uns die Schwestern zu unserer ersten afrikanischen Mahlzeit ein - das Essen war zu unserer Verwunderung immer sehr, sehr lecker und vor allem reichhaltig.

In den folgenden drei Wochen liefen unsere Tage ungefähr so ab:
6.00 Uhr aufstehen und evtl. duschen, 7.30 Uhr Frühstück, 8.30 - 10.45 Uhr arbeiten, 10.45 - 11.15 Uhr "tee-break", 11.15 - 13.00 Uhr arbeiten, 13.00 - 14.30 Uhr Mittagessen und Pause, 14.30 - 16.00 Uhr arbeiten, 16.00 - 16.30 Uhr "tea break", 16.30 - 17.15 Uhr Volleyball mit den Schülerinnen (freiwillig), 17.30 Uhr Kirche (freiwillig), danach "free time", 19.30 Uhr Abendessen danach wieder "free time".

Unsere Arbeit im Camp war ziemlich vielfältig. Zum Beispiel haben wir in der Schulküche, die zur Schule gehört, gearbeitet. Dort haben wir für die 400 Schülerinnen, die im Internat wohnen, gekocht und gespült (selbstverständlich ohne Spülmaschine!). Außerdem waren wir in der Konventküche tätig, wo wir für uns selbst und für die Schwestern gekocht haben. Des Weiteren durften wir in der Bibliothek helfen und beim Streichen von neu gebauten Lehrerhäusern. Für uns alle am schönsten war es wohl, in die "Nursery"-, "Primary"- oder "Secondary School" zu gehen und dort im Unterricht mitzuhelfen und den Schülerinnen über Deutschland und unser Leben dort zu erzählen.
Bei unserer Arbeit konnten wir gut mit den Kenianern in Kontakt kommen und uns über Kenia und Deutschland austauschen. Diese Gespräche haben mir nicht nur geholfen, mehr über Kenia und die Menschen dort zu erfahren, sondern auch mein Selbstverständnis von Deutschland zu reflektieren.
An den Wochenenden hatten wir frei. Diese Zeit haben wir meistens genutzt, um nach Eldoret zu laufen, dort in´s Internet zu gehen, einzukaufen, zu telefonieren (wenn es dann mal funktioniert hat) und Geld zu wechseln. In der Stadt haben wir u.a. Erfahrungen mit Strassenkindern gemacht, die Klebstoff schnüffeln und betteln. Diese Eindrücke waren für mich besonders nachhaltig. Außerdem wurde uns bewusst, dass es für die Kenianer in Eldoret etwas ganz besonderes ist, weiße Menschen und v.a. weiße Frauen zu sehen.

Im Nachhinein betrachtet, sind unsere ersten drei Wochen ziemlich schnell vergangen und bald hieß es dann schon wieder Abschied nehmen von den Schülerinnen, den Lehrer_innen, den Schwestern und all den Menschen, die an dieser Schule beschäftigt sind und die wir während unserer Zeit kennen und schätzen gelernt haben.

Nach einer Woche, in der wir den Masai Mara Nationalpark besuchten, ging am Samstag morgen unser Flieger Richtung Heimat, wo wir von unseren Familien und Freunden schon sehnlichst erwartet wurden...

Wenn man eine solche Reise gemacht hat, versucht man anschließend meistens eine Art Resümee daraus zu ziehen. In meinem Fall ist das nicht besonders schwierig: Die vier Wochen in Kenia waren für mich eine wunderschöne Zeit. Ich habe Erfahrungen gemacht, die ich nie vergessen werde und die mich sicherlich auch prägen werden. In der Ferne ist mir außerdem bewusst geworden, dass mein Alltag zu Hause nicht selbstverständlich ist. Ich sehe die Dinge nun mit etwas anderen Augen und erlebe sie manchmal etwas bewusster. Denn:

"Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu erforschen, sondern mit neuen Augen zu sehen" (Marcel Proust).

Ich bin so dankbar für meine Zeit in Afrika. Dieser Kontinent wird mein Traum bleiben.

Quelle: Miriam Moser

Die Fotos sind uns von der Verfasserin zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt worden.

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