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Europäischer Freiwilligendienst in London

Ein Jahr für mich und andere

Erfahrungsbericht über ein Jahr im Europäischen Freiwilligendienst im Duming Hall Community Centre in London von Maria Hilt.

Schon lange stand mein Entschluss fest, was ich nach der Schule machen wollte: ein Freiwilliges Soziales Jahr sollte es sein, und das im Ausland. Am liebsten wollte ich nach Großbritannien, da Englisch in der Schule mein Leistungskurs war und ich meine Sprachkenntnisse verbessern wollte.

Die Qual der Wahl

Im Spätsommer 2000, also mit Beginn meines letzten Schuljahres, machte ich mich auf die Suche nach einer passenden Organisation. Diese Zeit braucht man unbedingt, um sich erstmal das Angebot anzuschauen und auch, um eventuelle Bewerbungsfristen nicht zu verschlafen - wär doch schade! Im Berufsinformationszentrum und in Jugendzeitschriften mit entsprechenden Themengebieten fand ich einige Adressen, bei denen ich Infomaterial anforderte. Die meisten boten allerdings nur ein FSJ im Inland an, oder zumindest nicht in Großbritannien. Durch einen Tipp gelangte ich zum Diakonischen Werk Pfalz in Speyer. Dessen Abteilung "Diakonisches Jahr im Ausland" (DJiA) bietet christliche Freiwilligendienste in verschiedenen europäischen Ländern an. Das DJiA ist eine sogenannte Sendeorganisation, die im jeweiligen Land mit dortigen Aufnahmeorganisation zusammenarbeitet. Die Freiwilligen müssen einen verhältnismäßig geringen Geldbetrag selbst zahlen, hinzu kommt dann die Förderung durch die Diakonie und in vielen Fällen durch den Europäischen Freiwilligendienst.

Der erste Kontakt

Voraussetzung für eine Bewerbung beim DJiA war die Teilnahme an einem Informationsnachmittag (diese finden in verschieden Großstädten in ganz Deutschland statt). Dort berichten ehemalige Freiwillige von ihren Erfahrungen, von Chancen und von Schwierigkeiten, so dass man sich ein besseres Bild davon machen kann, was es bedeutet, ein FSJ im Ausland zu machen. Beim Infonachmittag erhielt ich auch die Bewerbungsunterlagen (wichtig: man kann sich nur für ein Land bewerben). Die britische Aufnahmeorganisation Time for God (TFG) verlangte zum Beispiel drei Referenzen, außerdem musste ich einen Fragebogen über mich selbst und meine Motivation ausfüllen - alles auf englisch, wenn auch nicht fehlerfrei. Hier konnte ich auch angeben, in welchem Bereich ich gerne arbeiten wollte, aber es ist nicht garantiert, dass dieser Wunsch auch erfüllt werden kann. Allerdings kümmern die Mitarbeiter sich schon darum, dass die Arbeit zu einem passt, also sei ruhig flexibel.
Im Februar wurde ich zum Auswahlwochenende eingeladen. Dort traf ich zum ersten Mal auf die Mitarbeiter von TFG. Das Vorstellungsgespräch, das auf englisch abgehalten wurde, diente vor allem zum gegenseitigen kennen lernen. Eine Ehemalige des DJiA war dabei und konnte einspringen, wenn es irgendwelche Verständigungsschwierigkeiten geben sollte. Was die Sprachkenntnisse angeht, solltest du dich schon einigermaßen auf englisch verständigen können, aber natürlich erwartet keiner von dir perfekte Konversationsfähigkeiten. Auch in diesem Punkt versucht die Organisation, auf dich einzugehen und eine Stelle für zu finden, wo du mit deinen Englischkenntnissen keinen Schiffbruch erleiden wirst.
Der Brief von TFG flatterte ungefähr zwei Monate später in meinen Briefkasten. Sie hatten eine Stelle für mich gefunden, in einem Communtiy Centre in Ost London. Ein Community Centre ist eine Art Begegnungsstätte für Menschen jeden Alters, dort gibt es Freizeitangebote, Beratung, Betreuung etc. Als nächstes musste ich in London anrufen, um alles Weitere mit meinen neuen Arbeitgebern zu besprechen. Auch das hab ich überstanden!
Es ging dann alles recht schnell, ich machte meinen Abschluss, und Ende Juli gings zum Vorbereitungsseminar der Diakonie. Dort traf ich viele andere Freiwillige, auch die für die anderen EU-Länder, und wir erfuhren einiges über unser jeweiliges Einsatzland und auch über die Arbeit, die uns erwartete.

Von der Theorie zur Praxis

Als ich dann endlich nach London aufbrach, war mir schon ziemlich mulmig zumute. Glücklicherweise wurde ich gleich ganz freundlich von meinen Gasteltern empfangen, in deren Haus ich ein Zimmer bezog. Es kommt übrigens auf die Einsatzstelle an, ob man privat untergebracht wird oder auch zum Beispiel in einer WG mit anderen Freiwilligen lebt. Meine Arbeit im Community Centre war unglaublich vielseitig, ich organisierte Tagesausflüge für ältere Menschen, half in der Kindergruppe mit, verkaufte im Charity Shop, arbeitete an der Rezeption, half beim Kochen in der Kantine usw. So konnte ich viele verschiedene Bereiche kennen lernen und meine Fähigkeiten austesten. Vor allem hatte ich ständig mit Menschen verschiedenster Altersgruppen und Nationalitäten zu tun, was ich sehr spannend fand. Ich spürte, dass ich gebraucht wurde und war immer wieder verblüfft darüber, was ich zustande bringen konnte.

Zu Weihnachten organisierte ich zum Beispiel einen Bazar im Centre, das war viel Arbeit, aber auch ein tolles Erfolgserlebnis. Obwohl das Community Centre von einem Christlichen Träger finanziert wurde, kam ich bei meiner täglichen Arbeit äußerst selten mit kirchlichen Dingen in Berührung. Es war meine Entscheidung, wie stark dieser Kontakt in meiner Freizeit ausfiel und ich fühlte mich zu nichts gedrängt. Dreimal fuhr ich zu Seminaren von TFG und dem Europäischen Freiwilligendienst. Dort lernte ich Freiwillige aus aller Welt kennen, wir tauschten Erfahrungen aus und entdeckten die Gemeinsamkeiten und Unterschiede unserer Kulturen. Bei diesen Treffen gehörte es auch dazu, an Andachten und Bibelstunden teilzunehmen.

Doch es gab für mich nicht nur Arbeit, sondern ich hatte genügend Zeit, um mir London anzuschauen oder auch mal die anderen Freiwilligen an ihren Einsatzorten zu besuchen. Außerdem besuchte ich zweimal wöchentlich einen Englischkurs am College.

Und - hat's was gebracht?

Wenn ich heute zurückblicke, war dieses Jahr das aufregendste meines bisherigen Lebens - aber sicher auch das schwierigste. Es ist nicht so leicht, wie man es sich vielleicht ausmalt, Familie und Freunde hinter sich zu lassen und sich auf eine völlig neue Umgebung, neue Menschen und neue Verhaltensweisen einzustellen. Obwohl ich mich lange darauf vorbereiten konnte, hat mich die Situation am Anfang doch ziemlich überfordert und ich hatte großes Heimweh. Damals habe ich einen guten Rat bekommen, der mir sehr geholfen hat: So eine Krise gehört dazu. Es bringt nichts, ans Aufhören zu denken, weil man dann automatisch alles noch viel schwärzer sieht. Das Beste ist, die positiven Dinge zu sehen und diese Zeit durchzustehen - hinterher gehts einem dann viel besser!

Auf jeden Fall war es für mich die richtige Entscheidung und wahrscheinlich das Beste, was ich für mich und meine Zukunft tun konnte. Nach der Schule war mir nicht wirklich klar gewesen, welcher Beruf mir später Spaß machen könnte. Jetzt weiß ich, dass ich ein gutes Händchen in Sachen Organisation habe, und dass ich unbedingt viel mit Leuten zu tun haben will. Ich habe unzählige besondere Menschen kennen gelernt, ich habe viel über mich erfahren, ich musste manche meiner Grenzen akzeptieren lernen und bin über andere hinaus gewachsen, ich habe gelernt, fließend Englisch zu sprechen - und vor allem habe ich Augenblicke gesammelt, die ich nie wieder vergessen werde!

Fazit: Ich kann es jedem nur empfehlen!

Quelle: Maria Hilt

Die Fotos sind uns von der Verfasserin zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt worden.

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